Wien am 15. März 1938 - die "Ostmärker" begrüssen am Wr. Heldenplatz zu hunderttausenden "Herrn Hitler", der aus dem Männerwohnheim Meldemannstrasse als Maler auszog um aus Deutschland als "Führer" wieder zu kehren.
Fotos: Bundesarchiv
Bis 1941 hatte es in der "Ostmark" keinen einzigen Fliegeralarm gegeben, 1942 ganze zwei, 1943 waren es schon 25.
Wien im April 1945
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Deshalb wollen die Autoren hier festhalten, dass ihre Sympathien realtiv gleich verteilt allen "einfachen" Beteiligten gelten die damals involviert waren.
Jenen die - ohne Ahnung über die deutsch-österreichische Sozialisation der 30er Jahre - aus Pittsburgh, St. Louis oder Santa Barbara gekommen waren und stundenlang schrecklich langsam und in Eiseskälte über die Alpen in den Ofen aus Flak und Jägern geflogen kamen.
Jenen die in ihren Jugendjahren aus Faszination zum Fliegen gekommen waren und nun mit bestenfalls 20 oder 30 Jägern und trockener Kehle auf die tagtäglich hunderten Kondensstreifen über ihrer Heimat eindrehten.
Jenen deren Jugend und Bildung auf der Strecke blieb, weil sie in der 7.- oder 8. Klasse von der Schulbank and die Flakgeschütze geschickt wurden.
Und auch jenen, die voll Angst und mit schreienden Kindern in schwankenden Kellern sassen und denen mit Glück nur der Verputz ins Genick fiel.
Keine Sympathien kann es aber für die eigentlich Verantwortlichen geben, jene deren beginnende, grandiose Niederlage in ihrem verrückten Eroberungskrieg gegen die ganze Welt der wahre Grund dafür war, dass man in Foggia um 5.30 morgens geweckt wurde und nach Wien geflogen ist!
Die Bedachtnahme auf die eigentlich Verantwortlichen des nationalsozialistischen Regimes und seiner Exekutoren ist bei jeder Diskussion über das Thema Bombenkrieg dringend in Erinnerung zu rufen.
Erst kürzlich starben zwei Beamte des Innenministeriums bei einer Bombenentschärfung in Salzburg und erst diesen Mai wurde das Grab eines Jagdfliegers der Deutschen Luftwaffe mit Österreichischer Herkunft am Wiener Zentralfriedhof zum Gegenstand hitziger Debatten im Wiener Gemeinderat.
Das Thema bürgt also für erstaunliche Aktualität, produziert aber immer wieder zu kurz greifende Reaktionen.
Weder ist der USAAF die Verwendung von Zeitzünderbomben zur Vernichtung von Räumtrupps heute moralistisch anzulasten, noch eignet sich Hr. Nowotny als Projektion sowohl für viele ältere Semester als auch für jene, denen die Gunst der "späten Geburt" zuteil wurde - und schon überhaupt nicht für Neonazis.
Wozu man sich in gutem antifaschistischen Mainstream im Wr.Gemeinderat hatte hinreissen lassen, dazu fehlt wohl auch bei vielen ehemaligen Gegnern das Verständnis.
Jedenfalls bringt man es bei den Siegermächten und selbst in Deutschland besser zusammen zwischen den Absichten eines Regimes und militärischen Leistungen einzelner Soldaten - selbst dann, wenn diese Taten möglicherweise das Überleben des Nationalsozialismus verlängert haben sollten - zu trennen.
Umsomehr scheint also eine nähere Betrachtung der damaligen Ereignisse in diesem Medium des 21. Jhdts. angebracht.
Casablanca-Konferenz, Januar 1943Verschiedene Historiker und Publikationen der letzten Zeit (z.B. "Der Brand") sehen im von Churchill und Roosevelt (Stalin war wegen Stalingrad in Marokko 'entschuldigt') besiegelten Entschluss, den Willen auf keinen Fall einen vorzeitigen Friedensschluss mit Deutschland zu akzeptieren sondern bis zur totalen Kapitulation Deutschlands Krieg zu führen. Der Krieg wäre ab da also nicht mehr gegen Hitler, sondern gegen das gesamte deutsche Volk geführt worden. Die Casablanca-Konferenz hätte katastrophale Auswirkungen auf den Verlauf des 2. Weltkriegs für alle Deutschen gehabt, denn sie hätte bewirkt dass der Widerstand in Deutschland gegen Hitler (Weisse Rose, Stauffenbergs Operation Walküre, Edelweisspiraten, usw.) von den alliierten Geheimdiensten nicht nur nicht unterstützt, sondern sogar sabotiert wurde, nur um einen vorzeitigen Frieden zu verhindern. Infolge dessen wäre der 2. Weltkrieg nicht, wie es möglich gewesen wäre, am 20. Juli 1944 zu Ende gewesen sondern erst fast 1 Jahr später. Die meisten menschlichen und materiellen Opfer (Bombardierung der deutschen Städte usw.) hätte dieser Krieg jedoch genau in dieser Zeit verursacht.Die Casablanca-Konferenz im Januar 1943, an der auch die französischen Generale Giraud und de Gaulle teilnahmen, bestätigte die Forderung nach bedingungsloser Kapitulation der Achsenmächte - und eröffnete den strategischen Bombenkrieg. Der Autor dieser Dokumentation ist NICHT dieser generellen Ansicht. Wohl hat - in Österreich weniger - das Ausmass der Angriffe in den letzten Monaten 1945 oft den Zweck überschritten, aber die Teilnehmer der Konferenz von Casablanca sahen sich Anfang 1943 - kurz nach dem Beginn des Krieges auch im Pazifik - einem rücksichtslosen Diktator und dessen lederbemäntelten Exekutoren eines wahnsinnigen Eroberungskrieg rassistischer Prägung gegenüber, denen - so die übereinstimmenden Berichte aus Deutschland - die Mehrheit der Bevölkerung, abseits der Nazi-Propaganda, noch immer in Ergriffenheit vor dem "grossen historischen Moment" ergeben war. Die Forderung des "unconditional surrender" Deutschlands wurde vom Nationalsozialismus auch bald propagandistisch gegen eine vermutete oder tatsächliche wachsende Kriegsmüdigkeit ausgenutzt. Joseph Goebbels im Berliner Sportpalast am 18. Februar 1943: "Die Engländer behaupten, das deutsche Volk wehrt sich gegen die totalen Kriegsmaßnahmen der Regierung. Es will nicht den totalen Krieg, sondern die Kapitulation. Ich frage euch: Wollt ihr den totalen Krieg? Wollt ihr ihn, wenn nötig, totaler und radikaler, als wir ihn uns heute überhaupt noch vorstellen können?" |
Das eben begonnene "amerikanische Jahrhundert" würde das nun folgende Kapitel in der Geschichte des Luftkrieges vielleicht "Roadmap to Peace" nennen, die Männer in den Flugzeugen und unsere Vorfahren in Kellern und an Geschützen haben es jedoch wahrscheinlich nicht so verstanden. Viele von diesen haben sich sicher oft gefragt, durch welches Paradoxon sie (jeweils) in diese Hölle geraten waren…
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Der Brand. Deutschland im Bombenkrieg 1940-1945Jörg FriedrichIm Frühjahr 1945 war Deutschland ein Trümmerfeld: Alle großen und viele mittelgroße Städte lagen nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges in Schutt und Asche. War das Flächenbombardement der Engländer und Amerikaner gegen Deutschland ein Kriegsverbrechen? Diese Frage wirft der Historiker Jörg Friedrich in diesem eindringlichen Buch auf. Der Autor bezeichnet den Bombenkrieg der Alliierten als "Zivilterror". Vor allem den englischen Premier Churchill macht Friedrich für den vermeidbaren Tod Hundertausender Menschen verantwortlich. Entsprechend hat das Buch bei seinem Erscheinen viel Wirbel ausgelöst: In Großbritannien warfen einige Medien und Historiker dem Autor vor, er wolle die Geschichte verdrehen und die Kriegführung der Alliierten mit den nationalsozialistischen Verbrechen gleichsetzen. Davon allerdings kann keine Rede sein. Friedrich zweifelt nicht daran, dass der Kampf gegen das NS-Regime moralisch gerechtfertigt war. Ebenso verweist er darauf, dass Deutschland zuerst mit der Luftschlacht begann -- Angriffe auf englische Städte wie London und Coventry hatten verheerende Folgen. Die Art und Weise, wie die Alliierten den Bombenkrieg gegen die deutschen Städte führten, kritisiert der Autor als ebenso unmenschlich wie überflüssig. Die Bomben waren nämlich nicht nur gegen Rüstungsfabriken und Verkehrswege gerichtet. Sie sollten ganz bewusst die Zivilbevölkerung treffen. Deswegen setzten die Alliierten nicht nur Sprengbomben gegen bestimmte Gebäude ein, sondern vor allem Brandbomben. Diese entfachten am Boden unaufhaltsame Feuerstürme, die Menschen, Häuser und alles Brennbare verschlangen. Das "moral bombing" sollte den Durchhaltewillen der deutschen Bevölkerung brechen. Das misslang jedoch, wie Friedrich konstatiert: Anstatt gegen das nationalsozialistische Regime aufzubegehren, verfielen die Deutschen angesichts des apokalyptischen Bombenhagels in Depression und Apathie. Trotz der erkennbaren militärischen Sinnlosigkeit, so lautet der Vorwurf des Autors, steigerten Engländer und Amerikaner ihre Abwürfe aber immer weiter und nahmen wissentlich ein "Massaker" an der Zivilbevölkerung in Kauf. Ausführlich schildert Friedrich die Angriffe auf einzelne deutsche Städte: Hamburg und Berlin, Dresden und Pforzheim, Nürnberg, Essen und andere mehr. Er fügt die vielen lokalen Berichte über die Kriegsereignisse zusammen und liefert somit eine Gesamtdarstellung des Bombenkriegs in Deutschland. Neben dem militärischen Verlauf dieser Angriffe und der eingesetzten Waffentechnik interessiert Friedrich vor allem, wie die deutsche Bevölkerung die Bombardements erlebte. Er beschreibt reportagehaft und mit emotionalisierender Sprache die Allgegenwart der Todesangst, die ständige Flucht vor den Bomben in Keller und Bunker, den Verlust von Angehörigen. Friedrichs Buch rührt bewusst an ein Tabu. Denn angesichts der barbarischen NS-Verbrechen wollte vor allem in Deutschland lange Zeit niemand die Art der alliierten Kriegsführung in Frage stellen. Friedrich tut genau das -- nicht als rechtsradikaler Geschichtsrevisionist, sondern als Wissenschaftler. Die Debatte um dieses Buch ist ebenso schmerzhaft wie notwendig. |